Unsere Geschichte oder Warum es vier Jahre gedauert hat diesen Blogeintrag zu schreiben.

Neulich saß ich mit Sergei von Hamburgs Lieblinge für ein Interview über unsere Geschichte zusammen. Wir saßen in diesen sehr gemütlichen Bandscheibenkillern bei Balzac, intern bei uns Konfi genannt. Ungefähr eine Stunde und ein paar Espressoshots später sagte Sergei dann den Satz „Das hatte ja was von Wahnsinn!“. Nach kurzem Stocken und doch im selben Moment dachte ich: Stimmt!

Als wir vor 5 Jahren in die Planung für das KAUFHAUS HAMBURG gingen, war mir nicht im Ansatz klar, worauf wir uns da eingelassen hatten. Völlig aus dem Bauch heraus und ohne jeglichen Plan legten wir los, um einer Idee zu folgen, an deren Entstehung man seit Herbst 2012 in der Langen Reihe teilhaben kann.

Ingo und ich haben uns 2011 im September kennengelernt. Ich war gerade aus meinem alten Job als Tontechniker ausgestiegen. Den Job, meinen Chef und die Kollegen habe ich geliebt. Das beste Tonstudio der Welt. Aber ich musste einfach was eigenes machen. Ich hatte schon länger das Konzept von einem Laden für lokale Produkte im Kopf, und da war ja noch meine Leidenschaft für die Strassenfotografie, die ich unbedingt weiterentwickeln wollte.

Also gründete ich zuerst den KAUFHAUS HAMBURG VERLAG. Der sollte dann den Laden im zweiten Schritt als Marketingtool nach vorne bringen.

So kam es, dass ich zusammen mit meinem ehemaligem Bandkollegen und Designer der KAUFHAUS HAMBURG CI, Axel Schmidt die Idee zu einem HAMBURG Fotobuch entwickelte. Axel ist, wie ich ein begeisterter Fotograf, und wir haben zu der Zeit viel gemeinsam fotografiert. Wir beide machten also Fotos von „HAMBURG im Detail“. Und so hiess dann auch das Fotobuch. Nebenbei bemerkt, zu Unrecht ein Flop, wir haben noch ca. 950 Stk. im Keller, wer möchte? Nur 9 €!

Das Buch war dann auch das erste Projekt, dass ich mit Ingo, er ist Printproduktioner, zusammen machte. Irgendwann im Vorfeld fand auch das legendäre Blind Date statt. Vermittelt durch einen gemeinsamen Freund trafen Ingo und ich uns im „Starters“ in Eppendorf. Zwei Flaschen Rotwein halfen mir beim Pitch und Ingos Interesse war geweckt.

Wir saßen dann regelmässig zusammen in Ingos Büro, damals noch in der Curschmannstrasse und legten los. Erstmal wie gesagt mit dem Fotobuch. Indesign lernen, Termine bei Druckereien machen. Punktzuwachs verstehen. Proofer anschmeissen. CYMK und RGB auseinanderhalten und so weiter und so fort. Der KAUFHAUS HAMBURG VERLAG war also schon voll im Gange und ich selbstständig. Nebenbei lief die Lieferantenrecherche für den Laden, und zwischendurch bin ich zum zweiten Mal Vater geworden. Ich genoss die neu gewonnene Unabhängigkeit  als Unternehmer in vollen Zügen.

Es war dann im Februar/März 2012, als genau eine Nacht vor einem Familienbesuch in den USA, Ingo mir eine eMail mit einem Link schickte. Immoscout. Eckladen Lange Reihe. Rumms! Das Kräuterhaus geht raus! Ich war sprachlos. Dazu muss man wissen, dass ich bei der Immobiliensuche als Beispiel immer von „so einem Laden wie das Kräuterhaus“ gesprochen hatte. Nur, wir waren überzeugt davon, dass die nie nie aufhören würden. In den Wochen danach überschlugen sich die Ereignisse. Während ich am Strand in Florida die Füsse im Wasser baumeln liess, schrieb ich ein Konzept auf und Ingo machte im kalten HAMBURG eine Besichtigung. Alles war perfekt.

Nur war da eine Sache: Wir waren noch nicht so weit! Wir hatten nur eine Lieferantin. Wir hatten noch keine Firma gegründet, geschweige denn einen Business-Plan erstellt. Drei Monate später sollte Vertragsbeginn sein. Der Laden musste saniert werden und wir hatten von nix eine Ahnung. Eben nur die Idee all die schönen Dinge aus HAMBURG unter einem Dach zu vereinen. – Wir haben dann einfach unterschrieben. 5 Jahre und 5 Jahre Option. Zack! Wir waren Ladeninhaber.

Die folgenden Monate waren unglaublich. GmbH Gründung, Kernsanierung, Lieferantentermine, Konditionsverhandlungen, eigene Produkte entwickeln, Baupläne lesen, Personalsuche, Farben aussuchen, Regale konzipieren…. Über Nacht waren wir Lebensmittelproduzenten, Buchhändler, Modehändler, Kunsthandwerkskuratoren, Designer, Verleger, Galeristen und und und…

Im Frühsommer stieß dann Isa dazu. Isa und ich kennen uns seit 1998. Sie war damals wie heute eine enge Freundin meiner Frau. So standen wir also auf einem Spielplatz an einer Schaukel mit unseren Kindern und Isa erzählte, dass sie einen Job sucht und ich erzählte, dass wir in Arbeit erstickten. Und was passt besser zu einem Retail Concept Store für HAMBURG als eine Juristin aus der Finanzbranche? – Done deal! Also waren wir ab diesem Zeitpunkt drei Neueinsteiger.

Die Geschichte des KAUFHAUS HAMBURG nahm an Fahrt auf und treu unserem Credo: „Alles aus dem Bauch“ gestalteten wir das Konzept sozusagen „on the fly“. Das heisst wir haben die meisten Entscheidungen immer erst getroffen, wenn sie auf den Tisch kamen. Nehmen wir als Beispiel, die Farben des KAUFHAUS HAMBURG. Orange und Grün. Das kam nämlich so: Als wir die Form der Regale zusammen mit dem kreativsten Tischler Hamburgs, Stefan Münich, erarbeitet hatten, kam die Frage der Farben auf. Ingo und ich wollten weisses Multiplex mit einzelnen roten Elementen. Stefan überredete uns dann jedoch zu dem Orange welches man heute bei uns sehen kann. Er sagte:“Wenn ihr auf Nummer Sicher gehen wollt, nehmt ihr das sanfte Rot, wenn ihr mutig sein wollt nehmt ihr das knallige Orange!“ Mutig. Klar wollten wir mutig sein. Das war unser Schlüsselwort, wir nahmen dann natürlich Orange. Ein paar Wochen später dann, standen wir mit dem sehr erfahrenen Bauleiter und altem Freund Christopher Buhr, der unter anderem schon einige Villen an der Alster neu saniert und gestaltet hatte, im Laden und überlegten uns mit einem Farbfächer in der Hand die Wandfarben. Er fragte uns, welche Farben denn die Regale hätten. Ich antwortete: “Orange.“ Er sagte dann kurz und knapp:“ Dann geht ja nur Grün.“ Und damit war das auch geklärt. Wir haben dann noch die Abstufungen von vorne nach hinten besprochen und fertig war das Farbkonzept. Diese beiden Echtzeit-Entscheidungen haben schlussendlich zu der heutigen CI geführt. Das Grün und das Orange findet sich heute im Logo wieder, in der Verpackung, in unseren Geschenkboxen und sogar unseren Weihnachtskugeln am Weihnachtsbaum. Und wir finden sie nach wie vor toll!

Am Ende des Sommers waren wir dann fertig. Der Laden wurde eingeräumt. Und es folgten vier Jahre des Auf und Ab, des Ausprobierens, des Neuanfangens, des Lernens und auch der Selbstzweifel und der Krisen (dazu mehr in einem anderen Post). Wir wurden als Ladeninhaber langsam erwachsener und fingen an uns Hilfe in der Organisation und der Personalführung zu holen. Erste Anzeichen von Professionalität sozusagen. Die Start-Up-Phase neigte sich dem Ende. Mitarbeiter kamen und gingen. Die Kunden wurden immer mehr.

Die Lieferanten kannten uns auf einmal und kamen auf uns zu. Unsere Position veränderte sich, wir fingen an in Verhandlungen auch unsere Vorstellungen durchzusetzen. Dieser Prozess des Erwachsenwerdens fand seinen Höhepunkt dann im Frühsommer diesen Jahres, als wir uns die Expertise des sehr erfahren Einzelhändlers und Retail Consultants, Andreas Feldenkirchen, einholten. Wir fingen an uns dediziert mit dem Warenfluss auseinanderzusetzen. Wann verkaufen wir was und warum…. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden unsere Einkaufsentscheidungen eher nach einer aus dem Bauch heraus erstellten Checkliste entschieden. Diese Checkliste war gut und hat uns weit gebracht, nur musste sie etwas überarbeitet, also auch etwas erwachsener werden.

Das sind wir geworden – erwachsener.

Wir blicken auf nur 4 Jahre seit Eröffnung zurück und doch fühlt es sich an wie ein Jahrzehnt. Das Team hat sich entwickelt und es hat sich ein Kern herausgebildet. Wir verstehen viel mehr, was wir tun und der Erfolg gibt uns Recht. Aber wie ich auch vor ein paar Tagen bei einem Videodreh zu Merle von „Geheimtipp Hamburg“ sagte, war diese gesunde Portion an Naivität und Planlosigkeit genau das, was diese Art von Laden brauchte. Viel Liebe zum Detail, wenig Abgebrühtheit, Vollgas Richtung Kunde, frei nachdem Motto „Wir sind die Guten“ und nie auf dem Rücken anderer. So sahen und sehen wir auch heute noch die Idee vom KAUFHAUS HAMBURG.

Und genau deswegen, kann es manchmal 4 Jahre dauern bis man Zeit hat einen Blogpost zu schreiben. Der erste. Mal sehen, wann der zweite kommt. Auf jeden Fall nicht erst in vier Jahren, versprochen. Bis dahin könnt Ihr auch in den Laden kommen und mich oder Isa oder wen auch immer ihr dort gerade trefft, fragen. Es gibt noch viele Geschichten zu unserem schönen kleinen Laden, in der Langen Reihe Ecke Danziger Strasse. Wir sehen uns dort (:

Euer Bastian

Gründer, Inhaber und grösster Fan.

 

 

Wenn ihr wissen wollt welche Rollen Axel, Chris und Andreas im KAUFHAUS HAMBURG spielen und wieso das nur drei von vielen sehr wichtigen Personen für das KAUFHAUS HAMBURG sind erfahrt ihr im Post Unser Netzwerk.

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